4 Generationen
Die Gründungsjahre
In Europa tobt der Krieg und in der Schweiz eine Hungersnot. Im kleinen Dorf Oberentfelden erklärt Alfred Ammann einen Raum seiner Mietwohnung zur Werkstatt und gründet 1917 eine Schuhfabrik.
Aufgewachsen als Sohn einer Schuhmacherfamilie im Züricher Oberland versehen mit einer guten Portion unternehmerischen Wagemut und jenem Optimismus, den es in schlechten Zeiten nun mal braucht, macht er sich an die Produktion von Hausschuhen. Handgearbeitet, haltbar und solide, mit echter Ledersohle im Goodyear-Look, finden seine Pantoffeln schnell ihr Publikum.
Die Nachfrage wird grösser, die Werkstatt schon bald zu klein. Neues Domizil wird ein Grundstück an der Muhenstrasse. Die expandierende Schuhfabrikation bringt manchem Dorfbewohner Arbeit und Brot. Alfred Ammann gilt bald einmal als verantwortungsbewusster Patron mit sozialem Engagement, der sich um seine Arbeiter wie um eine grosse Familie kümmert.
Eine Familie, die wächst und gedeiht: in den dreissiger Jahren produzieren über 200 Arbeitskräfte täglich rund 2'000 Paar Schuhe. Klar, dass das altehrwürdige Schuhmacherhandwerk sukzessive automatisiert und industrialisiert wird.
Schrittmacher und Vorläufer vom Scheitel bis zur Sohle, kreiert der Gründer am alten Schreibtisch im Suhrentaler-Atelier seine Kollektionen. Akzeptanz und Renommee verbreiten sich über die Landesgrenzen hinaus. Händler aus dem Piemont und aus der Pfalz handeln die Schuhfabrik Ammann als begehrte Adresse.
Leder ist Mangelware in jenen Jahren. Alfred Ammann mach sich umsichtig den Umstand zu Nutze, dass die Volkswirtschaft noch nicht allzu sehr durch bürokratische Schikanen eingeschränkt wird, und besorgt sich die fehlenden Kontingente bei Schwarzschlächtern im Wallis. In Nacht- und Nebelaktionen erreicht der begehrte Rohstoff im firmeneigenen Bedford-Lastwagen die Produktionsstätten in Oberentfelden.
Stöck, Wys, Stich
Persönliche und wechselseitige Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern wurde in jenen Zeiten direkt gelebt. Geschäfte besprach man bei einem deftigen Essen im Wirtshaus, begoss den Abschluss mit einem Glass Wein und klopfte anschliessend zufrieden einen zünftigen Jass.
Die zweite Generation
Trotz Krieg, Krisen und Kontingentierung: Ammann wächst und gedeiht. 1936 werden 93'000 Arbeitslose gezählt, der Franken büsst 30 Prozent seines Wertes ein. Ammann aber vergrössert sein Areal, produziert robuste Militärschuhe und spezialisiert sich zunehmend auf qualitativ hochstehende Lederschuhe für Jagd; Landwirtschaft, Zoll und Polizei. Dank seinem Gespür für die Anforderungen des Marktes ist er damit weiterhin dem Erfolg auf der Spur.
Die knappe Zuteilung an Ober- und Sohlenleder macht erfinderisch. Die Zivilbevölkerung wird mit Sommerschuhen aus Strohgeflechten und Holzsohlen versorgt. Nach dem Krieg übernehmen seine Söhne Hugo und Kurt die Firma, wandeln sie in eine Kommanditgesellschaft um, vergrössern das Sortiment und schlagen sich mit allerlei Materialien und Macharten herum. Stoff, Kork, Leder, Gummi; rahmengenäht, vulkanisiert, geklebt, geschraubt oder eingeleistet zeugen die Modelle in vielerlei Formen und Ausführungen vom Einfallsreichtum und dem technischen Know-How der Schuhfabrik. Klar, dass die Lagerung so vieler Materialien auf engstem Raum und die zunehmende Dezentralisierung einzelner Produktionsstätten eine ausgeklügelte Logistik verlangt.
Verantwortung, gekoppelt mit sozialem Denken auch bei der Unterbringung der ersten italienischen Gastarbeiter im Dorf: Der Bau einer komfortablen Wohnbaracke beschäftigt sogar den Gemeinderat. Amman profitiert andererseits vom handwerklichen Geschick der „Calzolai“, das sich später auch in automatisierten Produktionsanlagen, in neuen Technologien zu noch rationellerer Fertigung optimal einsetzen lässt. Nur vier Jahre nach der Übergabe scheidet Alfred Ammann aus seinem erfüllten Leben; sein Sohn Kurt zwei Jahre später. Die operative Führung liegt nun während fast dreissig Jahren bei Hugo Ammann.
Die dritte Generation
Rolf Ammann schafft mit einer Unternehmsstrategie, mit Sortimentsbereinigungen und einer neuen Organisationsstruktur die Voraussetzungen zu weiterem gesundem Wachstum.
Betriebe in Marbach, Kirchrued und Sempach werden geschlossen; produziert wird vorerst noch im seit einigen Jahren bestehenden Firmengebäude am Stammsitz der Ammanns. Günstig beeinflusst wird die Kostenstruktur der Firma durch die Eröffnung eines Nähbetriebs im grenznahen Ausland.
Ein Zusammenarbeitsvertrag mit Bally Schönenwerd – unterzeichnet zu Beginn der neunziger Jahre – markiert ein wichtiges Zwischenziel und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Die Produktion wird ausgelagert, Firmensitz und Vertrieb verbleiben in Oberentfelden. All dies sowie die Fokussierung auf erfolgsversprechende Produkte schaffen Mehrwerte – nicht nur für Kunden und Partner, sondern auch für Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Aktionäre.
Michel Jordi – Ethno Shoe Line by Ammann of Switzerland macht weltweit Furore
Ein weiteres aufregendes Kapitel unserer Firmengeschichte verdankt Ammann of Switzerland der Zusammenarbeit mit einem Mann, der die Rückbesinnung auf echte Werte zum Grundsatz macht, und damit immer mehr sensibilisierte Menschen in aller Welt auf seiner Seite hat: der Uhrenmacher Michel Jordi.
Wenn altes Handwerk und visionäre Idealisten sich treffen und mit aufregenden Ideen einer neuen Lebensphilosophie Hand und Fuss geben, werden aus Schuhe plötzlich vielbegehrte Kultgegenstände. Kultgegenstände, die Menschen aus Showbiz, Sport und Politik, Trendsetter, Szene-People und Selbstdarsteller aus allen Erdteilen als Ausdruck ihrer Schönheit zu einer veritablen Fangemeinde vereinen.
Schuhgewordene Mixtur aus Design, höchster Qualität bezüglich Material und Machart, hohem Gehkomfort und unverwechselbarem Ausdruck: die Ethno-Schuhe von Michel Jordi by Ammann of Switzerland. 1995 wird das 100'000. Paar Ethno-Schuhe verkauft.
Die vierte Generation
Marc Ammann steigt im Mai 2006 als 4. Generation in die Firma Ammann & Co AG ein.
